Psychiatrie-Enquête

Psychiatrie-Enquête: „Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland“ von 1975. Es gab eine „Sachverständigenkommission“, die sich in verschiedenen Psychiatrien umgesehen haben und feststellten, dass die damaligen Zustände unhaltbar und menschenunwürdig waren. Der Darauf folgende Bericht mit 430 DIN A4-Seiten brachte eine Reformierung der Psychiatrie ins Rollen. Unter anderem war ein Ziel dieser Reform die Psychiatrien nicht weiter als Verwahrstellen für Leute mit psychiatrischen Diagnosen und Behinderungen* zu nutzen. Stattdessen sollten Menschen, die in Psychiatrien einsaßen ein Wiedereinstieg in die Gesellschaft gewährleistet werden. Das sollte zum einen durchgesetzt werden indem Psychiatrien sich in verschiedene Fachrichtungen aufgliederten (z.B. Psychosomatik, Allgemeinpsychiatrie, Traumastationen, Tageskliniken, ambulante Anlaufstellen etc.) und sie möglichst wohnortsnah und somit zugänglich für Menschen zu machen, ohne dass sie sich aus ihrem Lebensumfeld entfernen müssen.

Warum ist die Psychiatrie-Enquête aus fortschrittlicher Sicht zu kritisieren?

Zwar gibt es momentan auch Stationen und Fachrichtungen in der Psychiatrie, die Personen mit psychiatrischen Diagnosen und Behinderungen* nur kurzzeitig „behandeln“, trotzdem bestehen weiterhin Wohnheime, in denen Menschen mit psychiatrischen Diagnosen und Behinderungen* oft mehrere Jahre/Jahrzehnte verbringen und sie in Abhängigkeiten führen. Desweiteren hat sich durch die Psychiatrie-Reform anhand der vielen psychiatrsichen Anlaufstellen (Sozialpsychiatrischer Dienst, Tageskliniken, ambulante Pflege, ...), die sich herausgebildet haben auch ein größeres Netz psychiatrischer Kontrolle entfaltet. Gleichzeitig wächst die Anzahl an dem, was als „psychisch krank“ gilt zunehmend, sodass für immer mehr Menschen die Gefahr besteht mit diesem psychiatrischen Netz in Berührung zu kommen. Eine einmalige Begegnung mit dem Psychiatrie-System kann verheerende Folgen haben. Viele Menschen müssen lange kämpfen um sich aus der psychiatrischen Kontrolle zu befreien, wenn sie es überhaupt schaffen. Desweiteren gibt es weiterhin Zwangsmaßnahmen, die von eben jenen sehr verbreiteten psychiatrischen Anlaufpunkten sowie jeder anderen Person, die mit diesen Anlaufpunkten und/oder der Polizei in Kontakt tritt, eingeleitet werden können.