Psychiatrie-Ausbruch: Wie aus dem Wunsch mit Anwalt/Presse zu reden ein mögliches Blutbad konstruiert wird

Quelle: MOPO
Quelle: MOPO

Am 03ten Januar 2019 schlug laut mehreren Medienberichten ein 50-jähriger Mensch in der Abteilung für Psychiatrie des Albertinenkrankenhauses (Hamburg-Schnelsen) ein Fenster ein und floh aus dem Gebäude. Wenig später soll er ein wenig entfernt eine Terassentürscheibe zu einem Einfamilienhaus eingeschlagen haben und sich dort in dem Haus versteckt haben. Der NDR schrieb in seinem Bericht: "Laut Polizei bestand bei dem psychisch Kranken die Gefahr, dass er sich selbst verletzt." Der aus der Psychiatrie geflohene Mensch wollte jedoch laut Presseberichten lediglich mit seinem Anwalt und mit der Presse sprechen. In der Hamburger Morgenpost (MOPO) wird er darüber hinaus wie folgt zitiert: „Sie wollen mich umbringen, deshalb bin ich abgehauen“.

Da ist also ein Mensch der aus Angst aus der Psychiatrie geflohen ist, anscheinend dabei zwei Fenster kaputt gemacht hat und der lediglich um sein Recht auf einen Anwalt und ein Gespräch mit der Presse bittet. Anstatt sich dann als Polizei und Presse zu fragen: Warum macht er das? Wurde ihm das Recht auf anwaltlichen Beistand in der Psychiatrie verwehrt? Gab es gewaltvolle Maßnahmen gegen ihn im Klinikum? Warum hat er dort Angst um sein Leben? Wie kann man ihn unterstützen? Wie kann man die Situation gewaltlos klären? Und viele weitere Fragen kann man sich da stellen auf die man auch vernünftige Taten hätte folgen lassen können. Wie zum Beispiel dem Menschen, der sich dort gerade in einem Einfamilienhaus versteckt, den Kontakt zu seinem Anwalt/Presse ermöglichen.

Doch was Polizei und Presse aus diesem Fall wieder machten ist wie so oft unterste Schublade. Für Polizei, Psychiatrie und Presse war und ist er anscheinend nur ein "durchgedrehter Straftäter". So schrieb die MOPO: "Kurz nach 19 Uhr drehte der Psychiatrie-Patient aus bislang unbekanntem Grund völlig durch (...)", aus einem "verstecken" in dem Einfamilienhaus wird ein "verschanzen" und all das läuft bei der MOPO unter der Überschrift "Psychiatrie-Patient (50) terrorisiert Schnelsen". Desweiteren wird ein Polizist zu dem Punkt, dass die Bewohner*innen des Einfamilienhauses gerade nicht zu Hause waren folgendermaßen zitiert: „Wären sie da gewesen, hätte es ein Blutbad gegeben“. Wie bitte? Hat er diese Information ausgewürfelt oder ist das ein spezieller polizeilicher Spürsinn, der ja bekannt für Lügen und Übertreibungen ist...

Da ist ein Mensch der offenbar aus Angst zwei Scheiben kaputt gemacht haben soll um zu entkommen und sich zu verstecken und um Anwalt und Presse bittet und rein gar niemanden bei seinem Ausbruch verletzt hat. Was Polizei und Presse daraus machen ist ein durchgedrahter Terrorist der einen ganzen Stadtteil mit Gewalt überzieht, sich in einem Haus "verschanzt" und ganz sicher die arme Familie beim Abendessen gemeuchelt hätte. Wie man darauf kommt bleibt dann ganz der Fantasie von Polizei und co. überlassen. Entsprechend wurde dann auch auf den Ausbruch reagiert. Ein Großaufgebot von Polizei und zuletzt das SEK stürmte die Wohnung wo sich der Mensch versteckte, warf eine Blendgranate die noch fast das gesamte Haus abfackelte, verletzte den Menschen dort drin und nötigte ihn dann noch zusätzlich mit einer sogenannten Spukhaube, die ihm über den Kopf gezogen wurde bevor er zurück in die Psychiatrie gebracht wurde. Verhältnismäßigkeit? Nicht zu finden! Problemlösung? Null! Jetzt ist der Mensch wieder in der Umgebung aus der er aus Angst geflohen ist, die Polizei hat wieder mal für "Sicherheit" gesorgt und alle können beruhigt aufatmen, denn der "böse psychisch Kranke" -wie er so gerne und so oft konstruiert wird - ist wieder weggesperrt. Gewalt und Terror hat man letztendlich nur beim Polizeieinsatz gesehen.

 

Vielleicht sollte man im Albertinenkrankenhaus (Hamburg-Schnelsen) mal nachfragen (Tel. 040 55 88-1), ob der Mensch inzwischen seinen Anwalt sprechen konnte?

 

Beschriebene Presseberichte:

https://www.mopo.de/hamburg/polizei/mit-stuhlbein-bewaffnet-psychiatrie-patient--50--terrorisiert-schnelsen-31824002?fbclid=IwAR0tL53Ys7oawrOzBQfX8_8FOLvhnY7KX7iY6gY-G9Q14AH6Cbf25mtLUww

 

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/50-Jaehriger-fluechtet-aus-Psychiatrie,sek244.html?fbclid=IwAR3i4qwXBAKEGQ8rvEWwnaRidFlgpMIR9eKMWv96rmXFDqOJn9vCj2dEDtc

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Anonym (Sonntag, 03 März 2019 05:21)

    Man sollte nicht aus der acht lassen, weshalb er in einer Klinik ist. Einen Anwalt dürfen die Patienten zu gegebenen Zeiten immer konsultieren! Und die Aussage, dass man ihn umbringen würde und das er Angst hatte, könnte logischerweise mit seiner Erkrankung zusammen hängen! Schon Mal etwas von einem Verfolgungswahn gehört?

  • #2

    Anonym (Sonntag, 03 März 2019 05:23)

    Nicht alles ist immer gerecht, aber man kann einen Menschen mit solchen Ängsten einfach nicht alleine lassen... Die Gefahr, dass jemand verletzt ist einfach so hoch und auch für die betroffene Person nicht schön...

  • #3

    Nakajan (Dienstag, 04 Juni 2019 22:46)

    Ein Mensch muss inseinen Gefühlen Ernst und fürsorglich behandelt werden. Ein Mensch in einer Klinik kann nicht sich gut fühlen Das schaffen die Kliniken nicht mehr. Sie können Sich nicht um 20 Menschen kümmern. Und ein Mensch dem muss man als Pfleger/in gerecht werden. Und Ihn Unterstützen bei dem Was dieser Mensch sich wünscht für Sich...

  • #4

    Anonym (Sonntag, 30 Juni 2019 15:53)

    Meine Empfehlung an den Verfasser: einfach mal eine Zeit lang in der geschlossenen Psychiatrie hospitieren, mehr fällt mir dazu nicht ein.