2. Mai - internationaler Gedenktag

Am 2. Mai ist internationaler Tag zur Erinnerung an die Verbrechen der NS-Psychiatrie und ihrer Kooperateur/innen und Tag des gegenwärtigen Widerstandes gegen die Zwangspsychiatrie!

 

Auf dem Gelände vom AWO Psychiatriezentrum (APZ) steht ein Mahnmal (auf dem hier abgebildeten Geländeplan ist zu sehen, wo es sich befindet – beim rosafarbenen Bereich mit dem blau-rosa Punkt). Dieses Mahnmal trägt den Namen „Weg der Besinnung“. Es steht da, um den Menschen zu gedenken, die im Nationalsozialismus den „Euthanasie“-Verbrechen (1939-1945) und den eugenisch (Was ist „Eugenik“? Bitte hier nachsehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik ) motivierten (veranlassten) Verbrechen zum Opfer fielen.

 

Hunderttausende (etwa 300.000 – 400.000, variiert je nach Quelle) Personen wurden umgebracht. Weil sie psychiatrische Diagnosen hatten, psychisch krank oder behindert* waren - oder es ihnen zugeschrieben wurde. Die ersten Opfer waren Kinder, die nicht dem „gesunden“ nicht-behinderten* Idealbild des NS-Regimes entsprachen (Kinder-„Euthanasie“ von 1939-1945). Später wurden weitere Menschen systematisch in Tötungsanstalten (zentral) durch Gas ermordet (1940-1941 „Aktion T4“). Als sich Widerstand häufte wurde die „Aktion T4“ und das zentrale Ermorden durch Gas 1941 eingestellt. Dann folgte eine dezentrale Ermordung durch Verhungern lassen, Vernachlässigung und überdosierte Medikamente (1941-1945). Von 1941 bis 1944 wurden arbeitsunfähige oder politisch bzw. „rassisch“ verfolge Häftlinge von Konzentrationslagern ermordet („Aktion 14f13“)1. All diese Morde wurden beschönigend als „Euthanasie“ bezeichnet. „Euthanasie“ bedeutet übersetzt „guter Tod“ (griechisch).

 

Zwischen den "Euthanasie"-Morden und der Vernichtung der Jüd*innen bestehen Überlappungen und Verbindungen (siehe "Zeit"artikel - Link weiter unten).

 

Im Zuge des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (ab 1933) wurden etwa 400.000-500.000 Menschen zwangssterilisiert. Dabei starben tausende Betroffene. Für Frauen* war der Eingriff gefährlicher und die Todesrate entsprechend höher.

 

Durch Propaganda wurde in der Öffentlichkeit versucht die Morde mit finanziellen Einsparungen zu rechtfertigen. Es wurde gesagt, die "Erbkranken" würden zu viel Geld kosten, würden keinen produktiven gesellschaftlichen Beitrag leisten und man würde ihnen ein leidvolles Leben ersparen wollen („Gnadentod“). Der Wert eines Menschenlebens wurde -neben der Ideologie des Sozialdarwinismus, der Eugenik, der „Rassenhygiene“- mit Geld, das es angeblich dem Staat kosten würde, bemessen. Der Begriff des "lebensunwerten Lebens" war ein Auswuchs der Ideologie des NS-Regimes und prägte die gesellschaftliche Betrachtung von Menschen mit Behinderungen*, psychiatrischen Diagnosen und psychischen Krankheiten*.

 

„Der „Weg der Besinnung“ soll mahnen, dass wir Politiker, Juristen, Ärzte, Pflegepersonal, Nachbarn, Mitmenschen, Gemeinden, Ämter, Kirchen, nie wieder wegschauen und mitwirken. Wir wollen hinschauen, wenn Unrecht geschieht und uns einmischen. Die Gedenkstätte soll uns erinnern an das Leid, aber uns auch wachsam sein lassen für die Zukunft!“ (Zitat Gedenktafel vom Mahnmal „Weg der Besinnung“)

 

 

Wir hoffen und fordern, dass das AWO Psychiatriezentrum das Gedenken an diesem 2. Mai und in Zukunft ungestört zulässt und sich (ab sofort – besser schon gestern) für Alternativen zur Zwangspsychiatrie einsetzt.

 

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Was letztes Jahr am 2. Mai vor dem AWO Psychiatriezentrum in Königslutter vorgefallen ist, könnt ihr hier lesen: https://initiative-zwangbefreit.jimdo.com/2017/05/05/gedenktag-2-mai-staatsschutz-polizei/

 

Hier sind Links zu NS-Propagabildernhttps://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/plakat-zu-eugenik-und-euthanasie-um-1938.html

http://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/zeitgeschichte/ns/grafeneck/b1.jpg

http://www.spiegel.de/fotostrecke/ns-euthanasie-die-brandpredigt-von-bischof-von-galen-fotostrecke-141278.html

http://www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de/auslese-und-ausmerze-rund-500-frauen-wurden-in-der-erlanger-klinik-der-zwangssterilisation-und-zwangsabtreibung-unterzogen-thema-2003-beispielhaft-aufgea/

und hier ein kurzer Ausschnitt aus einem Propaganda-Videohttps://www.youtube.com/watch?v=9Yi0Nja2D-Y

 

Hier noch ein ausführlicher Artikel von der „Zeit“ über die „Euthanasie“-Verbrechen im Nationalsozialismushttps://www.zeit.de/zeit-geschichte/2017/01/euthanasie-ns-regime-kranke-behinderte-massenmord

 

weitere Links zum Thema:

http://www.sigrid-falkenstein.de/euthanasie/index.htm

http://www.gedenkort-t4.eu/de

http://www.ns-euthanasie.de/

http://www.dasdenkmaldergrauenbusse.de/

 

http://www.grauerbus-braunschweig.de/pdf/Mahnmal_Weg_der_Besinnung.pdf

https://www.aerzteblatt.de/archiv/62974

 

 

 

1http://www.sigrid-falkenstein.de/euthanasie/index.htm

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Kommentare: 1
  • #1

    Johanna (Montag, 14 Mai 2018 14:08)

    https://www.erepro.de/2018/04/17/die-vergessenen/