Fixierung: Klage vor dem Bundesverfassungsgericht! (Triggerwarnung)

Zwei Menschen klagen vor dem Bundesverfassungsgericht wegen stundenlangen Fixierungen.

 

"Die Psychiatrie darf nicht die Dunkelkammer des Rechts sein oder bleiben." (SZ)

 

Einer der Kläger wurde 2009 betrunken von der Polizei in die Psychiatrie gebracht. Der Grund: Er habe Suizidgedanken geäußert. Von 12 Stunden Unterbringung wurde er 8 Stunden lang fixiert.

 

Der andere Kläger aus Baden-Württemberg wurde 2015 aufgrund eines gerichtlichen Beschlusses in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Dort wurde er immer wieder fixiert. Der Grund: Er soll Geschirr und Möbel zertrümmert und Mitarbeiter*innen beschimpft haben.

 

"Wenn die Freiheit durch Fesselung, die stunden- oder gar tagelang dauert, nicht nur eingeschränkt, sondern komplett und vollständig und schmerzhaft aufgehoben wird, muss ein Richter darüber befinden, weil dies das Härteste, das Extremste ist, was ein Staat seinem Bürger antun kann." (SZ)

 

Auch ein Interview mit Martin Zinkler (Chefarzt Psychiatire Heidenheim) kann man sich in der SZ durchlesen. Zinkler wird beim Prozess vor dem Bundesverfassungsgericht als Sachverständiger auftreten.

"(...) 2015 gab es bei 110 000 stationären Aufnahmen 30 389 einzelne Maßnahmen. 6,7 Prozent der Patienten waren betroffen, wobei manche natürlich öfter als einmal fixiert wurden. Wenn man das auf Deutschland hochrechnet, müssten das bei 800 000 stationären Aufnahmen etwa 221 000 Maßnahmen im Jahr sein." (Zinkler)

 

Zinkler spricht auch darüber, dass es für ihn nur eine Situation gibt indem eine Fixierung  gerechtfertigt sei. Nämlich: "Wenn wir oder andere Patienten angegriffen werden. Und ich meine nicht, dass mal ein Gegenstand fliegt, sondern dass wir wirklich gewaltsam angegriffen werden. (...)"

 

Allerdings (!) Eine Fixierung von Menschen, die sich selbst verletzen lehnt Zinkler ab:

 

"Als ich angefangen habe, wurden Menschen nach Suizidversuchen festgebunden. Das würde ich nie mehr machen. Eine Selbstgefährdung ist nie ein Grund für eine Fixierung, finde ich. Mit solchen Menschen muss man sprechen, die darf man nicht alleine lassen. Aber wieso sollte man sie festbinden?"

 

Quellen/ So wird berichtet:

 

Tagesschau

SZ

SZ-Interview

 

 

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