Aufruf zur Kundgebung in Königslutter: In Gedenken an die Opfer der NS-Psychiatrie („Aktion T4“)!

Am 02ten Mai 2017 (siehe unten**) wollen wir gemeinsam mit euch an die Opfer der „Aktion T4“ während der Zeit des Nationalsozialismus gedenken. Die „Aktion T4“ bezeichnet die Ermordung und Zwangssterilisierung von mehr als 400.000 Menschen, die von den Nationalsozialist*innen den Stempel „unwertes Leben“ erhielten und in sogenannten „Pflege- und Heilanstalten“ systematisch getötet, zwangssterilisiert und gefoltert wurden. Betroffene waren vor allem als „psychisch krank und/oder körperlich behindert“ abgestempelte Menschen.

 

Wir möchten an diese Menschen erinnern, damit nichts von den Verbrechen der NS-Zeit in Vergessenheit gerät. Auch möchten wir mit unserer Kundgebung auf die aktuellen Missstände in Psychiatrien aufmerksam machen. Denn auch wenn jeglicher Vergleich der heutigen Psychiatrie mit der NS-Psychiatrie unangebracht ist, so gibt es heute noch eine Vielzahl an Unmenschlichkeit in den psychiatrischen Kliniken, die immer wieder Todesopfer fordert. Auch im AWO-Psychiatriezentrum in Königslutter (APZ), wo wir am 02ten Mai unsere Gedenkkundgebung abhalten werden, sind Zwangseinweisung, Zwangsmedikation und Fixierung gängige Praxis. Dagegen stellen wir uns und wollen neben der Erinnerung an die Opfer auch für eine Psychiatrie ohne Gewalt protestieren!

 

Auf dass sich diejenigen, die Zwang und Gewalt in der Psychiatrie ermöglichen, die letzten Worte auf der AWO-Gedenktafel auch für die heutige Zeit zu Herzen nehmen:

 

„Der „Weg der Besinnung“ soll mahnen, dass wir Politiker, Juristen, Ärzte, Pflegepersonal, Nachbarn, Mitmenschen, Gemeinden, Ämter, Kirchen, nie wieder wegschauen und mitwirken. Wir wollen hinschauen, wenn Unrecht geschieht und uns einmischen. Die Gedenkstätte soll uns erinnern an das Leid, aber uns auch wachsam sein lassen für die Zukunft!“

 

Unsere Gedenkkundgebung wird ab 18 Uhr am AWO-Mahnmal „Weg der Besinnung“ (circa eine halbe - bis eine Stunde lang) stattfinden. Das Mahnmal befindet sich auf dem APZ-Gelände in Königslutter am Elm. Wir treffen uns um kurz vor 18 Uhr am Kaiserdom Königslutter beim Dom-Café (Straße: Vor dem Kaiserdom/ Am Plan) und laufen dann gemeinsam zum AWO-Mahnmal. Bringt gerne Blumen, Kerzen, et cetera mit.

 

Hinweis: Ebenfalls am 02ten Mai 2017 findet in Berlin eine T4-Gedenkveranstaltung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE) statt.

 

** Remembrance and Resistance Day (=Gedenk und Widerstandstag): Der 2. Mai ist der internationale Tag zur Erinnerung an die Verbrechen der NS-Psychiatrie und ihrer Kooperateur*innen und Tag des Widerstandes gegen die Zwangspsychiatrie.

 

 

Kontakt:
Initiative Zwangbefreit (IZB)
Mail: zwangbefreit@web.de

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Kommentare: 1
  • #1

    B. Tammen (Donnerstag, 27 April 2017 11:33)

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die von Ihnen geplante Kundgebung an der Gedenkstätte „Weg der Besinnung“ soll auf dem Krankenhausgelände des AWO Psychiatriezentrum stattfinden, also nicht auf öffentlichem Raum, sondern auf Privatgelände. Hierzu benötigen Sie die Zustimmung des Eigentümers.

    In Ihrer Ankündigung auf Ihrer Homepage erklären Sie, nicht nur den Opfern der „Aktion T4“ zu gedenken, sondern auch auf die angebliche „Unmenschlichkeit in psychiatrischen Kliniken“, die immer wieder Todesopfer fordere, aufmerksam zu machen und in diesem Zusammenhang auch auf das AWO Psychiatriezentrum hinweisen zu wollen. In Ihrer E-Mail vom 25. April 2017 wie auch in Ihrer Anmeldung der Veranstaltung beim Landkreis Helmstedt verschweigen Sie diesen eigentlichen Hintergrund Ihrer Kundgebung. Damit wird offensichtlich, dass Sie das Gedenken an die Opfer der Euthanasie für Ihre eigenen Zwecke missbrauchen wollen.

    Es ist in der Vergangenheit leider häufiger vorkommen, dass Sie Mitarbeitern des AWO Psychiatriezentrum völlig ungerechtfertigt rechtswidrige Körperverletzung, Freiheitsberaubung oder gar Folter als gängige Praxis vorwerfen. Dabei belassen Sie es stets bei falschen, nicht konkretisierten und unbegründeten Behauptungen, die ehrabschneidend und strafbar sind.

    Außerdem haben wir im Zusammenhang mit früheren Aktionen von Ihnen Sachbeschädigungen auf unserem Gelände feststellen müssen.

    Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Personen, die uns auf diese Weise gegenübertreten, nicht auch noch Gelegenheit geben werden, ihre kruden Ansichten auf unserem Betriebsgelände zu verbreiten.

    Wir untersagen Ihnen und den von Ihnen aufgerufenen Personen, das Gelände des AWO Psychiatriezentrum zu betreten. Zuwiderhandlungen werden wir strafrechtlich verfolgen lassen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bernhard Tammen
    (Justiziar des AWO Psychiatriezentrum)