BPE-Aktionsaufruf 2017!

"(...)Leute wie Pippi Langstrumpf müsse mensch einsperren.(...)"

 

Wir wollen euch auf einen Aufruf der "AG-Aktionsvernetzung" (BPE) aufmerksam machen. Beteiligt euch an Aktionen gegen das gegenwärtige Zwangspsychiatriesystem und/oder macht eigene Aktionen! Pippi bleibt frei!

 

Aktionsaufruf für das Jahr 2017

 

"Wir starten 2017 mit einer Massenzeitung, in der unsere Kritik an Geschichte und Gegenwart der Zwangspsychiatrie deutlich zu lesen ist. Außerdem wird dort für einige Termine und Aktionen geworben, die von Januar bis Oktober liegen. In diesen 10 Monaten wollen wir uns langsam steigern, bis dann vom 6. bis 8.10. in Berlin erst die BPE-Jahrestagung und ab 8.10. das Weltpsychiatertreffen stattfindet. Letzteres wollen wir zum Ziel klarer Forderungen und Proteste machen – mit Demonstrationen rund um den Versammlungsort (CityCube und südliche Messehallen in Berlin).

Vorher gibt es weitere Termine, für die wir zu gemeinsamen Aktionen laden – etwa der sog. „Behindertentag“ am 5. Mai oder die Mad-pride-Umzüge in verschiedenen Städten. Wir würden uns freuen, wenn zu diesen ausgewählten Terminen (Liste wird in der Massenzeitung veröffentlicht) dann zunehmend mehr anreisen als bisher. Denn: Wir müssen uns sichtbarer machen, müssen lauter unsere Stimme gegen die Folter und Menschenrechtsverletzungen hinter Mauern und Zäunen erheben!

Doch wir setzen nicht nur auf große Events. Wir wollen Euch unterstützen, dass Ihr bei Euch vor Ort auch immer öfter zumindest kleine Aktionen durchführen könnt: z.B. ein Infostand in der Fußgänger_innenzone, eine kleine Kundgebung, Theater oder Protestlieder auch gerne direkt vor den Zwangspsychiatrien, den dazugehörigen Institutionen, bei Parlaments- oder Parteisitzungen. Dafür wollen wir eine Anlaufstelle schaffen, die Euch berät, was Ihr dürft, wie Ihr was durchführen könnt oder was das Versammlungsrecht hergibt. So sind Kundgebungen und politische Meinungskundgabe aller Art im öffentlichen Raum immer erlaubt. Dazu gehören auch die Gelände, auf denen Zwangspsychiatrien zu finden sind, aber ebenso Fußgänger_innenzonen, Straßen oder Bahnhöfe.

 

Zudem wollen wir ein Aktionspaket schnüren, welches Ihr für Eure Ideen leihen könnt. Darin sollen sich ausreichend Exemplare der Massenzeitung zum Verteilen, aber auch Liedtexte zum Mitsingen, Theaterstücke und kleine Redetexte für Demonstrationen befinden, zudem passendes Theatermaterial, ein Megafon und was Ihr so brauchen könnt für Eure Aktionen. Der Ablauf ist dann am besten so: Ihr ruft in der Anlaufstelle an, könnt ein Beratungsgespräch zu Euren Aktionen führen und bekommt dann das zugeschickt, was Ihr braucht. Wenn Ihr es danach schnell zurückschickt, kann die nächste Gruppe die Hilfen bekommen.

Außerdem soll es eine Liste geben aller Menschen, die sich vorstellen können, zu Aktionen zu fahren. Wenn dann irgendwo was los ist, werden alle informiert. Diese Liste haben wir auf dem BPE-Treffen schon angefangen – Ihr könnt Euch jederzeit hinzufügen lassen, am besten mit einer Email-Adresse; wenn es nicht anders geht, auch mit Telefonnummer.

 

Einen besonderen Tipp für alle Aktionen haben wir noch: Baut Pippi Langstrumpf in Eure Aktionen ein – in ein Theaterstück, in Eure Veröffentlichungen oder nachgestellte Fixierszenen. Warum? Weil ein leitender Arzt einer forensischen Psychiatrie in Hessen in einem Vortrag gemeint hat, Leute wie Pippi Langstrumpf müsse mensch einsperren. Der Vortrag war natürlich nicht öffentlich, aber wir haben die Folien, die er gezeigt hat. Er projizierte ein Pippi-Bild auf die Leinwand, als er erklärte, wie typische Psychiatrieinsass_innen so drauf sind. Das ist so unglaublich, dass wir das nutzen sollten – auf dass es ein PR-Supergau für die Psychiatrie werde!
Die Pippifolie ist ein fantastisches Fundstück und bietet viele Anknüpfungspunkte für Aktionen, Veröffentlichungen, Lieder, Texte und Theater (ein Lied gibt's schon ohne unser Zutun: https://www.youtube.com/watch?v=WVRHqebLa7U). Aber Pippi wird nicht das einzige sein, mit dem wir 2017 in ein aktionsreiches Jahr gehen wollen.

 

Also ... redet, wenn Ihr eine Selbsthilfe- oder andere Gruppe seid, darüber, ob Ihr 2017 eigene Aktionen ausprobieren wollt oder an Aktivitäten anderer mitmacht. Lasst Euch, wenn nötig, beraten. Merkt Euch die überregionalen Termine für die größeren Aktionen – und seid dabei! Entwickelt eigene Ideen, Lieder, Theaterstücke, Lesetexte ... und schickt uns die!

 

Bereiten wir der Zwangspsychiatrie ein heißes Jahr 2017!!!

 

Kontakt: BPE, 0234-68705552 und 0234-6405102, kontakt-info@bpe-online.de und Projektwerkstatt, 06401-903283, saasen@projektwerkstatt.de"

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Kommentare: 1
  • #1

    Kunderbunt (Sonntag, 16 April 2017 21:29)

    Pippi Langstrumpf - Wie viel Freiheit kann ein "normaler" Mensch ertragen?

    Pippi Langstrumpf, eine meiner Lieblingsfiguren als Kind. Sie ist so stark und lustig, lässt sich von Niemandem etwas sagen und setzt sich für die Dinge ein, die ihr wichtig sind. Aus heutiger Sicht, aus der Sicht eines Erwachsenen, sehen viele Menschen diese Figur anders. Ein Kind, das ohne Eltern aufwächst? Ohne Regeln? Dass die Schule schwänzt oder stört und einfach nur macht, was sie will? Das geht doch nicht! Da muss man etwas dagegen tun! Keine Frage, Pippi Langstrumpf passt nicht in unsere durchorganisierte Welt. In eine Welt, in der jeder seine feste Rolle haben muss und in der eine eigene Meinung nur dann akzeptabel ist, wenn sie durch Ironie und Sarkasmus unkenntlich gemacht wurde. Viele Verhaltensweisen die zutiefst menschlich sind, gelten heutzutage als krank oder zumindest als höchst bedenklich.

    So ist es kein Wunder, dass in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ vom 4.4.2017 psychiatrisiert Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort feststellt, dass Pippi Langstrumpf eine psychiatrische Behandlung gut tun würde. (https://www.youtube.com/watch?v=PrQ0aAbYFgU&feature=youtu.be).

    Klingt ja auch logisch, oder? Das arme Kind! Ganz allein auf der Welt! Völlig vernachlässigt und orientierungslos! Der muss man dringend helfen wieder auf den "rechten Pfad" zurück zu finden.

    Aber eine Sache wird dabei völlig vergessen: Pippi Langstrumpf hat ihr Leben im Griff! Sie hat sich mit ihrer zugegeben schwierigen Situation (keine Eltern und so) arrangiert und sie hat das Beste daraus gemacht. Und sie ist stark! Sie ist so stark, dass sie nicht nur die Verantwortung für ihr eigenes Leben, sondern auch noch die für ihr Pferd, ihren Affen und ihre Freunde mit übernehmen kann. Und sie ist reich, nicht nur in Gold sondern auch in Lebensfreude, Phantasie, Pragmatismus und Durchsetzungsstärke. Natürlich könnte sie Hilfe gebrauchen. Wer könnte das nicht? Daher stelle ich mir die Frage, mal angenommen, Pippi würde sich wirklich dem Gespräch mit einem Psychiater stellen, wer von beiden würde wohl mehr davon profitieren?