Protest bei einer Vorlesung von Dr. med. Rainer Jung an der Hochschule Ostfalia in Wolfenbüttel!

Heute besuchten einige Aktivist*innen die Vorlesung "Basiswissen Psychiatrie" von Dr. med. Rainer Jung an der Ostafalia Hochschule in Wolfenbüttel.

Jung ist neben seiner Lehrtätigkeit an der Ostfalia ebenso leitender Oberarzt am AWO-Psychiatriezentrum in Königslutter (APZ) und somit als Entscheidungsträger mitverantwortlich für die im APZ stattfindenden Zwangsmaßnahmen.

Auf diesen Umstand -also was Psychiatrie an Menschenrechtswidrigen Seiten aufzeigt und was Jung damit zu tun hat- wiesen die Aktivist*innen mit einem Transparent (Aufschrift: Für Menschenrechte in der Psychiatrie), Flugblättern und einer Rede per Megaphon hin. Einige der vielleicht fünfzig anwesenden Student*innen reagierten auf den Protest, der sichtbar die Forderung nach Einhaltung der Menschenrechte in den psychiatrischen Kliniken zeigte, mit Ausrufen wie: "Wir bereiten uns hier auf ne Klausur vor!", ein weiterer kommentiert darauf: "Genau!". Diese Menschen, die während der gesamten bisherigen Vorlesung stets ruhig, unkritisch und interessiert zuhörten, während ihnen Rainer Jung erklärte, wie andere Menschen "in Kategorien zu packen" sind und wie mensch Intelligenz messen könne, empörten sich also nun über einen fünf minütigen Input über Zwangsmaßnahmen und Menschenrechtsverletzungen im gegenwärtigen Psychiatriesystem. Getreu nach dem Motto: Klausur vor Menschenrechte.

Auch Rainer Jung, als Galionsfigur der meisten Student*innen im Saal, reagierte auf die Forderungen nach Menschenrechten in der Psychiatrie mit mannigfacher Überheblichkeit, zum Beispiel in Form von Aussagen wie:"Ja ich hätte mal den Text gelernt vorher...", die er an die Rede verlesende Person richtete, als diese kurz stockte und manifestierte sich bei Protestende in ironischem Applaus für die Protestierenden. Diese verließen nach ihrer Rede den Saal und verliehen ihren

Forderungen durch die Parole: "Psychiatrie geht auch zwangsfrei!" noch einmal Nachdruck. Nachdem Jung dann aus seinem Ironie-Applaus heraus gefunden hatte, ließ er abermals seine belehrenden Worte über die Student*innen kreisen und sagte: "Das (Protest) gehört allerdings auch zu unserer Arbeit dazu, sowas ein Stück auszuhalten sich aber auch eindeutig zu platzieren an dieser Stelle (...)" weiterhin kritisierte er: "(...) also das (Der Protest) ist nichts mehr was eine echte ernsthafte Diskussion ermöglicht." Hier ermöglichte Rainer Jung einen kleinen Einblick darauf, dass Proteste für ihn Erscheinungen sind, die mensch in erster Linie aushalten müsste, denn wenn Jung tatsächlich auf Protest mit Dikussionsbereitschaft reagieren würde, dann hätte er den Aktivist*innen diese Diskussion -auch an anderer Stelle- ja auch schlicht anbieten können. Dieses Diskussionsangebot kam ihm aber genauso wenig über die Lippen, wie die "eindeutige Platzierung", die er vorher noch für so wichtig empfand. Statt Diskussionbereitschaft reduzierte Rainer Jung den Protest auf eine Person, die ihm angeblich schon bekannt sei und verunglimpfte und kriminalisierte diese Person auch noch, indem er seinen Student*innen überspitzte Geschichten, beispielgebend von Stürmungen einer Klinikstation vorgaukelte. Doch nicht alle der anwesenden Student*innen schienen den Protest so einfach an sich vorbeiziehen zu lassen, denn während Rainer Jung seine Gruselgeschichten herunter zitierte, hatten einige nur Augen für das von den Aktivist*innen verteilte Flugblatt. Wir von der "Initiative Zwangbefreit" können nur darauf setzen, dass einige der Anwesenden in Zukunft der Kritik an Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie Raum geben und diese jetzt oder bald genauso ablehnen wie wir und sich an einem Schaffungsprozess für Alternativen dazu beteiligen.

 

An dieser Stelle möchten wir uns auch nochmal bei dem*der Student*in für die Fotos bedanken!

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Lisa (Mittwoch, 14 Dezember 2016 20:49)

    Ich war gestern auch bei der Vorlesung "Basiswissen Psychiatrie" anwesend. Ich finde Ihren Protest ja irgendwo gerechtfertigt, aber frage mich, ob dieser in solcher Form passieren muss? Diese Frage konnte ich mir aber bislang nicht abschliessend beantworten, da kritische Stimmen in unserer Gesellschaft ja kaum wirklich angehört werden. Jedenfalls sehe ich Ihr Anliegen positiv, aber kritisiere bedingt die Durchführung. Was ich aber auch kritisiere ist das beschämende Verhalten von Herrn Jung. Ich fand es sehr befremdlich, dass er einfach von einer fremden Person solche Geschichten vor dem gesamten Auditorium ausbreitete und dieser kindische Kommentar von ihm, wenn sich mal jemand verliest und dann noch sein Fake-Applaus waren mir mehr als peinlich. Fremdschäm* Das wollte ich mal loswerden.

  • #2

    Anonymus Drachenfeuer (Donnerstag, 15 Dezember 2016 21:46)

    Sündenbock Psychiatrie 1. Teil

    Natürlich wäre es fatal, wenn sich die deutsche Psychiatrie anmaßen würde, problembeladene Menschen in Schubladen zu stecken und sie zur Gleichförmigkeit zu zwingen, ohne ihnen Individuelle Entwicklung zuzugestehen, wie von einer sogenannten "Initiative Zwangsbefreit" gefordert wird.
    Reminiszenzen an den Zweck der Psychiatrien in früheren Warschauer-Pakt-Staaten werden hier geweckt.
    Natürlich ist es grundsätzlich zu begrüßen, daß Menschen zwangsfrei aufwachsen und sich entwickeln, denn jeder von außen auferlegte Zwang ist stets gegen die Freiheit der Seele gerichtet, eine Freiheit, die sich nach Unendlichkeit und Schrankenlosigkeit sehnt und im Leben Früchte der Harmonie und der Lebensfreude verbreiten möchte.

    Doch klingen mir die An- und Absichten dieser "Initiative" allzu nach einen Rundumschlag, im Sinne von "Alle Soldaten sind Mörder" und "Alle Jäger sind Tierquäler". Und ich bezweifle sehr, daß die Damen und Herren Aktivisten diese genannte innere Freiheit und das Sehnen nach Unendlichkeit in ihrem Wesen tatsächlich etabliert haben, denn Früchte der Harmonie und Freude verbeiten sie wahrlich nicht.
    Man sollte jedoch nur etwas einfordern, das man selbst bereits durch Reife erreicht hat, sonst wirkt es ebenso lächerlich, als wenn ein Pennäler von einem Professor der Astrophysik den Ereignishorizont eines Black Hole erläutert haben wollte.

    Da wird sich nun darüber moquiert, daß Studenten eine Störung ihrer Vorlesung nicht tolerieren, sondern die unliebsame Unterbrechung als solche bezeichnen, weil sie bald Prüfungen hätten. Da wird ein renomierter Dozent der Menschenrechts-Widrigkeit beschuldigt, indem vermummte Gestalten Hausfriedensbruch begehen und mit aufsehenerregenden Plakaten für Furore sorgen. Ja geht's denn noch?
    Wer auch immer hinter solchen Masken steckt, der hat einer zwangsfreien Welt damit massiv geschadet! Wegen solchen Leuten wurde per Gesetz ein Vermummungsverbot beschlossen. Wegen solchen Randalierern schießen allerorts Zwänge und Überwachungs-Mechanismen wie Pilze aus dem Boden.

    Wieso sind solche "Aktivisten" nicht fähig, den angegriffenen Dr.Jung in einem persönlichen Kontakt zu fragen, ob er bereit sei, sich ihren Argumenten z.B. in einer öffentlichen Diskussion im Hörsal zu stellen?
    Die Antwort liegt auf der Hand: a) Weil sie wahrscheinlich (außer populistischen Slogans) keine wahrhaftigen Argumente besitzen. b) Weil es ihnen überhaupt nicht um Wahrheitsfindung geht, sondern um den Störfaktor.
    Heute ist der Vermummte mal auf auf einer Demo für Offenheit gegenüber Assylanten, morgen ist er auf der Demo gegen den Assylantenstrom und übermorgen geht er eben mal zur Psycho-Universität, weil's da auch etwas zum Demonstrieren gibt. Das Thema ist egal, Hauptsache man kann das Megaphon benutzen und Menschen beleidigen, die man überhaupt nicht kennt.

    Sowas soll dann eine Initiative gegen Zwang darstellen?
    Liebe Vermummte, merkt ihr denn nicht, daß ihr selbst unter dauerhaftem Zwang steht? Selbst auferlegt: dem Zwang sich zu profilieren, dem Zwang zu stören. Erinnert etwas an Hooligans beim Fußball. Nur etwas sanfter. Anstatt Herrn Dr. Jung, als Vertreter der bösen Psychiatrie, gleich zu verprügeln verunglimpft man ihn halt dann im Internet, wohlwissend, daß die deutsche Justiz praktisch keine Handhabe hat, dagegen anzugehen.
    Ich möchte behaupten, daß keiner der Vermummten jemals bei Dr.Jung eine Therapie besucht hat, geschweige denn, im Zuge seiner entsetzlichen Menschenrechts-Verletzungen mit Haldol vollgepumpt oder gar lobotomiert wurde. Aber vorsorglich dagegen protestieren, das ist ja immer gut.

  • #3

    Anonymus Drachenfeuer (Donnerstag, 15 Dezember 2016 21:47)

    Sündenbock Psychiatrie 2. Teil

    Eigenes Unvermögen durch Schuldzuweisungen auf einen Sündenbock zu kaschieren, ist ja ein althergebrachtes Mittel der Selbst-Belügung und gleichzeitig der Manipulation der Massen. Wird ja in der Politik ähnlich gehandhabt. Und klappt recht gut, wenn man emotionsschürende Parolen dazu nimmt.

    Wie wollen solche "Aktivisten" denn je ernst genommen werden bei einem solch traurigen Versteckspiel hinter Masken und Verleumdung?
    Sie wollen bei einem "Schaffungsprozess für Alternativen" mitwirken, ja, um Himmels Willen, mit welchem Wissen und welchen persönlichen Erfahrungen denn?
    Ist auch nur einer der "Aktivisten" ein ausgebildeter Facharzt oder Psychologe?
    Hat auch nur einer dieser Vorlesungsstörer jemals Kontakt mit dem unsäglichen menschlichen Leid gehabt, das einem Psychiater tag-täglich in der Klinik oder Praxis begegnet?
    Dann würden sie nicht so "superschlaue Slogans" auf Plakaten und in Web-Foren verwenden, sondern sich zunächst einmal ihrer eigenen inneren Reife widmen, das MenschSein in seiner Tiefe erforschen (was auf Stör-Events schlecht möglich ist) und so lange nach einer wirklichen Alternative zu Zwängen in aller Welt Ausschau halten, bis sie die Morgendämmerung einer Lösung aufgehen sehen.
    Diese Lösung wird jedoch immer darauf hinauslaufen, zunächst im eigenen Bewußtsein zu wachsen und mit diesem Wachstum dann die Menschheit zu ändern versuchen, statt gegen etwas zu protestieren, dessen ganzen Umfang man überhaupt nicht zu begreifen vermag.
    Zwangslosigkeit ist ein schönes Wort. Doch was geschieht beim momentanen Zustand der Menschheit, wenn plötzlich alle Regeln und moralisch-ethischen Aspekte wegfallen, wie z.B. in Kriegsgebieten? Es gibt Plünderungen, Morde etc., das Recht des Stärkeren, purster materialistischer Darwinismus.
    Klar wäre eine edle, harmonische Gesellschaft in individueller Eigen-Verantwortung ein besserer Nähboden für das innere Erwachen eines jeden Menschen. Doch diese Gesellschaft haben wir nicht, und es wird wohl noch lange dauern, bis solche Gesellschaften sich je etablieren werden. Die dem Menschen eingeborene Gier (von Machtgier bis Geldgier und Gier nach Ansehen, Sex, Einfluß etc.) steht dieser Entwicklung momentan entgegen.
    Und so lange ist die Psychiatrie noch dazu verurteilt, denjenigen Menschen durch "Selbstoptimierung" zu helfen, die diese Gesellschaft nicht zu ertragen vermögen und an den Umständen scheitern. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob diese Umstände durch gesellschaftlichen Druck oder eigene Persönlichkeits-Schwäche verursacht wurde.
    Ein Mensch kann innerlich ausbrennen, und dann benötigt er Hilfe.

    Ich bezweifle stark, daß ein Ausgebrannter und Depressiver sich Hilfe suchend an einen der vermummten "Aktivisten" wenden würde. Noch mehr bezweifle ich, daß einer dieser "Aktivisten" dazu in der Lage wäre, ihm wirklich zu helfen.

  • #4

    Wolfgang (Freitag, 16 Dezember 2016 08:15)

    Geht´s noch? Da habt ihr euch wirklich genau den Falschen als Sündenbock herausgesucht. Dieser Mensch ist einer der aufrichtigsten und anständigsten Ärzte für Psychiatrie, die ich bisher kennengelernt habe. Glaubt mir, ich weiß, wovon ich hier spreche. Das etablierte Psychiatriesystem hat gewiss viele Schwächen, aber in erster Linie kommt es doch darauf an, wie es von seinen Vertretern vor Ort mit Leben gefüllt wird. Da gibt es sicherlich viel an Licht und Schatten. Wo der von euch so schäbig diffamierte Arzt und Hochschullehrer für mich hingehört, steht für mich außer Zweifel. Und wenn der in der Vorlesung so eine kurze Lunte gehabt haben soll, wundert es mich das nicht. Euch hätte ich mal sehen wollen, wenn man über Euch Steckbriefe verteilt hätte und mit Euch in der Öffentlichkeit so umgegangen wäre.
    Ein ziemlich dankbarer ehemaliger Patient und Ostfalia-Absolvent (Soziale Arbeit), übrigens einer mit mehrfacher persönlicher PsychKG- und Fixiererfahrung, der aber ohne diesen Arzt wahrscheinlich heute das hier nicht mehr hätte schreiben können.

  • #5

    IZB - Gegenkommentar zu Drachenfeuer Teil I (Samstag, 17 Dezember 2016 13:17)

    Vorerst möchte ich zwei Dinge anmerken.
    Erstens: Du hast in deinem Geschriebenen das Wort „Assylanten“ benutzt. Das hast du zweimal mit doppeltem S geschrieben, was an das abwertend benutzte Wort „Assi“ erinnert. Ich gehe davon aus, dass das keine Absicht war, sollte es Absicht gewesen sein um Flüchtlinge zu beschimpfen, dann schäme dich in Grund und Boden und wenn ich mir sicher wäre, dass es als Beschimpfung gemeint war/ist, dann kannst du dir sicher sein, dass ich diesen Kommentar schon längst gelöscht hätte. Die Initiative Zwangbefreit hat nichts gegen kritische Kommentare, aber sobald diese rassistische, sexistische, antisemitische, et cetera Inhalte verbreiten, dann zögern wir nicht lange und befördern die in den Datenmüll.
    Zweitens: Den folgenden kurzen Gegenkommentar schreibe ich als Einzelperson und als Aktivist der „Initiative Zwangbefreit“ (IZB). Das bedeutet, dass mein folgend Geschriebenes nicht die Meinung aller anderen IZB-Aktivist*innen sein muss.

    Du hast geschrieben:

    „Doch klingen mir die An- und Absichten dieser "Initiative" allzu nach einen Rundumschlag, im Sinne von "Alle Soldaten sind Mörder" und "Alle Jäger sind Tierquäler". „

    Wie kommst du darauf? Die IZB machte eine Aktion gegen einen leitenden Oberarzt des AWO-Psychiatriezentrums Königslutter (APZ) in dem Zwangsmaßnahmen durchgeführt werden. Es gibt kein uns bekanntes Statement von Dr. med. Rainer Jung, indem er konsequent -oder überhaupt mal- solche Zwangsmaßnahmen kritisiert, oder ablehnt, oder er Bereitschaft erklärt an Alternativen dazu zu arbeiten. Da es das nicht gibt und er konträr dazu sogar noch an dem Zwanglegitimierenden NPsychKG (bei dem weiterhin die Definitionsmacht unhinterfragt bei irgendwelchen Psychiater*innen liegt und über die Bedürfnisse der Patint*innen gehandelt werden darf) mitarbeitet, dann muss mensch davon ausgehen, dass er weiter unkritisch alle fragwürdigen Maßnahmen billigt und durchführt. Er ist fester „Bestandteil“ dieses kritikwürdigen Psychiatriesystems und er befindet sich dabei noch in einer hohen Stellung. In der IZB sind auch Menschen mit negativer Psychiatrieerfahrung (auch in Königslutter) aktiv und wir als IZB pflegen Kontakt zu Leuten die negative Erfahrungen mit dem APZ haben. Wir sind im Wissen über die menschenunwürdige Zustände im APZ, Rainer Jung ist leitender Oberarzt des APZ, er positioniert sich dazu nicht deutlich und es geht im APZ so weiter wie bisher. Das sehe ich als Grund, nicht nur gegen die negativen Seiten des APZ zu protestieren, sondern auch gegen die, die diesen Laden so am laufen halten wie er ist und dafür sorgen, dass es so bleibt wie es ist. Und so bleiben darf es nicht!

    „Ich möchte behaupten, daß keiner der Vermummten jemals bei Dr.Jung eine Therapie besucht hat (...)

    Erstmal, nach meinem Wissen: Falsch! Und wie kommst du darauf dich in solch einem Maße aus dem Fenster lehnen zu können? In deinem Kommentar habe ich oft simple Unterstellungen lesen müssen, von denen du unmöglich im Wissen sein kannst. Es sind einfach irgendwelche Behauptungen. Eine super Diskussionsgrundlage?

  • #6

    IZB- Gegenkommentar zu Drachenfeuer Teil II (Samstag, 17 Dezember 2016 13:19)

    „Sie wollen bei einem "Schaffungsprozess für Alternativen" mitwirken, ja, um Himmels Willen, mit welchem Wissen und welchen persönlichen Erfahrungen denn?
    Ist auch nur einer der "Aktivisten" ein ausgebildeter Facharzt oder Psychologe?
    Hat auch nur einer dieser Vorlesungsstörer jemals Kontakt mit dem unsäglichen menschlichen Leid gehabt, das einem Psychiater tag-täglich in der Klinik oder Praxis begegnet?
    Dann würden sie nicht so "superschlaue Slogans" auf Plakaten und in Web-Foren verwenden, sondern sich zunächst einmal ihrer eigenen inneren Reife widmen (...)“


    Wenn du nach dem Wissen und den Erfahrungen fragst, dann fragst du nach „psychiatrischem Fachwissen“??? Was soll das denn? Ich muss kein Psychiater sein, um zu wissen, dass Zwangsmedikation, Einsperren, Strafe und Fixierung Gewalt ist. Vielleicht gerade weil ich kein Psychiater bin erkenne ich dies deutlich. Das wäre jetzt aber eine simple Behauptung. Ich persönlich kenne einige Menschen, wo die drauflosdefiniernde Psychiatrie als erstes mal zur Fixierung und Zwangsmedikation gegriffen hätte und ich ich weiß bei diesen Menschen zu 100 Prozent, dass solche Maßnahmen sie zusätzlich traumatisiert hätten, oder haben. Geholfen haben in diesen Fällen ausführliche Gespräche und individuelle Hilfestellungen. Das gegenwärtige Psychiatriesystem handelt nach Definitions-Regelwerken und den dazugehörigen Handlungs-Regelwerken (Teilweise von der Pharmaindustrie mitgeschrieben). Wer da jetzt mehr Erfahrung hat, entweder der*die die sich ausführlich mit dem Mensch beschäftigen, oder der*die die sich nach diversen Regelwerken mit Menschen beschäftigen, das kann mensch sehen wie er*sie will. Sprich: Einen Schaffungsprozess für Alternativen zu Zwangsmaßnahmen kann jede*r mitgestalten, der*die das Problem an Zwang in der Psychiatrie erkennt. Dazu braucht mensch keinen Doktortitel!

    „Ein Mensch kann innerlich ausbrennen, und dann benötigt er Hilfe.“

    Da stimme ich dir voll zu. Jedoch verursachen Zwangsmaßnahmen oft noch mehr Probleme als ohne diese. Und meiner Meinung nach, sollte mensch auch die gesellschaftlichen Ursachen für das ausbrennen erkennen und diese abschaffen (Leistungsdruck, Armut...). So werden aus Kindern, die einfach nicht mit dem ständig steigenden Leistungsdruck klarkommen, gleich „kranke“ Kinder mit Konzentrationsstörung gemacht, anstatt dann vernünftiger Weise den Leistungsdruck zu senken, werden die Kinder mit Medikamenten vollgestopft. Und dann noch den Einfluss der Pharmaindustrie zu erkennen, die teilweise die Definitionsstandards für Krankheiten senken, um noch mehr Medikamente verkaufen zu können.

    „Ich bezweifle stark, daß ein Ausgebrannter und Depressiver sich Hilfe suchend an einen der vermummten "Aktivisten" wenden würde. Noch mehr bezweifle ich, daß einer dieser "Aktivisten" dazu in der Lage wäre, ihm wirklich zu helfen.“

    Wieder eine simple Behauptung ohne Fundament. Die ich weiter oben schon widerlegte. Und natürlich ist mensch nicht immer in der Lage einem anderen menschen vollumfänglich zu helfen. Manchmal braucht mensch als Helfende*r und als Betroffene*r Unterstützung von mehr Menschen, oder auch mal von Psychiater*innen. Da muss mensch in der Gesellschaft Bereitschaft wecken, Betroffenen zu helfen, die belastenden gesellschaftlichen Umstände zu bekämpfen und auch dafür zu sorgen, dass Betroffene in der Psychiatrie entscheiden dürfen, welche Behandlungen sie wünschen und welche nicht. Wenn ich mal denke, ich brauche jetzt Hilfe in der Psychiatrie, dann hätte ich große Hemmungen da hinzugehen, da ich von Zwangsmaßnahmen und der mangelnden Selbstbestimmung in der Psychiatire weiß. Natürlich gibt es auch komplizierte Fälle, wenn Menschen aggressiv sind und andere angreifen, da muss ein Umgang mit gefunden werden, aber mensch darf nicht an Methoden festhalten, die vielleicht kurzfristig Ruhe bringen und bei vielen Betroffenen sogar noch weitere Probleme schaffen.

  • #7

    IZB-Gegenkommentar zu Drachenfeuer Teil III (Samstag, 17 Dezember 2016 13:20)

    „Wer auch immer hinter solchen Masken steckt, der hat einer zwangsfreien Welt damit massiv geschadet! Wegen solchen Leuten wurde per Gesetz ein Vermummungsverbot beschlossen. Wegen solchen Randalierern schießen allerorts Zwänge und Überwachungs-Mechanismen wie Pilze aus dem Boden.“

    Zu behaupten, dass wegen Leuten die sich vermummen, die Gesetze verschärft werden und sie dadurch zu einer Welt voller Zwang/Überwachung beitragen, ist doch Quark...
    Nach dieser Logik kann mensch auch behaupten, das alle Menschen die demonstrieren, daran Schuld wären, dass es ein einschränkendes Versammlungsgesetz gibt. Und wenn das so wäre wie du behauptest und sich alle nicht vermummen würden, weil sie vielleicht Angst vor einem Verbot haben, dann könnte mensch sich auch nicht vermummen. Das wäre dann das Ergebnis einer unfreien Welt mit Überwachung und Zwang. Dann lieber sich die Freiheit auf Selbstschutz erlauben/nehmen und sich dieser Überwachung und dem Zwang widersetzen. Das Problem sind nicht die, die sich Freiheiten nehmen, sondern die, die diese Freiheiten einschränken wollen. Also beschwere dich bitte bei den Gesetzgebenden.

    „Zwangslosigkeit ist ein schönes Wort. Doch was geschieht beim momentanen Zustand der Menschheit, wenn plötzlich alle Regeln und moralisch-ethischen Aspekte wegfallen, wie z.B. in Kriegsgebieten? Es gibt Plünderungen, Morde etc., das Recht des Stärkeren, purster materialistischer Darwinismus. „

    Zuerst beschwerst du dich über einschränkende Gesetze und nun hast du Weltuntergangssorgen, wenn die Regeln wegfallen. Klar würde vermutlich vieles ins Chaos geraten, wenn plötzlich alle Regeln wegfallen und die moralisch-ethischen Aspekte in den Köpfen der Menschen nicht in Erscheinung treten. Doch du solltest erkennen, das wir auch jetzt schon in einer Welt leben, wo der Stärkere regiert. Die Welt in der wir jetzt leben ist voller Zwang und Gewalt, die der Stärkere ausübt. Deswegen sollte mensch diese Macht des Stärkeren bekämpfen und Alternativen organisieren. Wie zum Beispiel in der Zwangspsychiatrie.

  • #8

    Kleiner Ergänzung auf meinen IZB-Gegenkommentar (Mittwoch, 21 Dezember 2016 19:19)

    Zum besseren Verständnis was ich meine: Im folgenden Umklammerten rede ich von einigen Vertreter*innen der Pharmaindustrie und nicht von der gesamten Pharmaindustrie.

    "Das gegenwärtige Psychiatriesystem handelt nach Definitions-Regelwerken und den dazugehörigen Handlungs-Regelwerken (Teilweise von der Pharmaindustrie mitgeschrieben)."

  • #9

    mimi (Sonntag, 01 Oktober 2017 21:46)

    Zwang in der Psychiatrie? Sicher nicht unter Dr.Jung im APZ!!! Schämt euch!

  • #10

    An mimi (Montag, 02 Oktober 2017 19:59)

    Jung ist leitender Oberarzt am APZ. Im APZ finden Zwangsmaßnahmen statt. Glaubst du er weiß von diesen Zwangsmaßnahmen nichts? Nein, er weiß davon und da muss man sich als Oberarzt eines solchen Klinikums auch mal Kritik anhören können. Ich habe auch noch nirgendwo von dem ach so guten Herrn Jung eine Stellungnahme gelesen, dass er Zwangsmaßnahmen im Kern ablehnt und sich an der Suche nach Alternativen beteiligt. Nein, er steckt lieber weiter Menschen in Schubladen.