Initiative Zwangbefreit: Jetzt auch mit Flyer!

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Flyertext:

 

INDIVIDUUM GEGEN GESELLSCHAFTSNORMEN. Für echte Alternativen zum gegenwärtigen (Zwangs-)psychiatriesystem!

 

Innerhalb von Psychiatrien werden Personen häufig dazu ermutigt sich selbst oder ihre persönlichen Einstellung zu ändern. Wir von der „Initiative Zwangbefreit“ glauben allerdings nicht, dass psychisches Leiden, wie es die Psychiatrie häufig vorgibt, „selbstverschuldet" sei und durch Selbstoptimierung beseitigt werden könne, sondern Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse ist in denen wir leben. Sich einer bestimmten Norm unterordnen zu sollen, bedeutet in der bestehenden Form nicht ernst genommen zu werden und beinhaltet den diskriminierenden Gedanken, dass der derzeitige Zustand und/ oder die Persönlichkeit, so wie sie ist, schlecht sei. Wir wollen aber, dass die Leiden, Nöte und Charaktere Betroffener ernst genommen werden und fordern eine Gesellschaft, die alle Menschen so akzeptiert wie sie sind und sein wollen - frei von Bewertungen und Kategorien. Wir wollen nicht, dass Menschen dazu genötigt werden (wieder) produktiv zu sein und distanzieren uns vom gegenwärtigen Leistungsdruck, der sich zum Beispiel durch die sogenannte „Arbeitstherapie" in der Psychiatrie aufbaut und nicht selten in Ausbeutungsverhältnissen mündet.

 

Wir fordern Akzeptanz (Nicht Ignoranz) gegenüber „Anders"sein und schwierigen Lebenslagen und üben Kritik an psychiatrischen (Zwangs-) Maßnahmen.

Gleichzeitig sind wir solidarisch mit Menschen, die Hilfe in Psychiatrien suchen und ihre Diagnose akzeptieren. Es wäre zu kurz gedacht alle Diagnosen und Medikamente generell als schädlich zu definieren. Durchaus gibt es Fälle, in denen diese Mittel als hilfreich empfunden werden.

 

Wir fordern allerdings Selbstbestimmung und die Festlegung der Definitionsmacht bei Betroffenen. Kein*e Psychiater*in sollte das Recht haben über die Köpfe ihrer*seiner „Patient*innen" hinweg Entscheidungen zu treffen und Kategorisierungen vorzunehmen. Keine Person, als die Person selbst, darf entscheiden, ob sie krank ist oder nicht.

 

VON DER DIAGNOSE ZUR ZWANGSMAßNAHME

Außerdem üben wir Kritik am psychiatrischen Diagnoseschlüssel. Denn er dient als Mittel zur Kategorisierung menschlichen Daseins und ist der Fahrschein zu psychiatrischer (Zwangs-)„Behandlung". Persönlichkeiten werden auf Diagnosen heruntergebrochen, die niemals die Vielfalt einer Person beachten.

Noch immer sind Einweisungen gegen den Willen der Betroffenen Alltag in vielen psychiatrischen Kliniken. Maßnahmen wie Fixierungen und Zwangsmedikation stellen keine Hilfe für Betroffene dar, sondern sie sind und bleiben Gewalt.

 

Im Wissen über Zwangsmaßnahmen und die Bedeutung dieser für die Menschen, die sie erleben müssen, fordert die „Initiative Zwangbefreit“, dass die Psychiatrie auf solche Maßnahmen, die gegen den Willen der Betroffenen durchgeführt werden, kompromisslos verzichtet und neue individuelle Konzepte für den Umgang mit schwierigen Lebenslagen erarbeitet werden. Diese können nur wirkungsvoll sein, wenn sie auf Respekt anstatt auf Unterdrückung und Machtspielen beruhen.

(Psychiatrischer) Zwang traumatisiert Betroffene häufig (aufs Neue) und schafft weitere Probleme, die wiederum z.B. selbstverletzendes Verhalten fördern und Psychiatrie-Erfahrene in einen Teufelskreis aus Zwangsmaßnahmen und Reaktionen darauf befördern.

 

RECHTLICHES ZUR ZWANGSPSYCHIATRIE

Es ist bekannt, dass Medikamente, die auch unter Zwang in psychiatrischen Kliniken verabreicht werden, zu einer Verkürzung der natürlichen Lebensdauer von bis zu 25 Jahren führen können. Neuroleptika wie Haldol, Glianimon, Risperdal und viele weitere können die Persönlichkeit der Opfer von psychiatrischer „Behandlung“ verändern und sollten niemals gegen den Willen Betroffener verabreicht werden dürfen! Zwangsmedikation ist Körperverletzung und somit ein Verstoß gegen das im Grundgesetz in Artikel 2 festgehaltene Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die UN-Behindertenrechtskonvention besagt unter anderem, dass eine Behinderung oder Krankheit in keinem Fall einen Freiheitsentzug oder eine Körperverletzung rechtfertigt. Der UN-Sonderberichtserstatter der UN-Anti-Folter-Konvention Juan E. Méndez bekräftigt, das psychiatrische Gewalt als Folter einzustufen ist und fordert die Abschaffung aller gesetzlichen Grundlagen für psychiatrische Zwangsmaßnahmen.

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